
Zum Abschied ein paar Worte finden – das fällt mir schwer
Zum Abschied ein paar Worte finden – das fällt mir schwer. Was soll man da sagen? Wie kann man sechzehneinhalb Jahre in ein paar Sätzen zusammenfassen?!
Als Stichwort kommt mir spontan «Veränderung» in den Sinn. Es waren intensive und bewegte Jahre. Jahre, die mich verändert haben. Als junger Pfarrer stellte ich mir vor, wie ich die Gemeinde präge und Menschen begleite. Doch schon bald habe ich festgestellt: die Gemeinde prägt und begleitet auch ihren Pfarrer. Vielleicht bekommt der Pfarrer sogar mehr zurück als er hineingibt. Auf jeden Fall hatte ich oft das Gefühl, dass die Gemeindearbeit keine einseitige Investition des Pfarrers ist, sondern ein Geben und Nehmen. Das durfte ich besonders in meinen eigenen Stürmen erfahren, dass ich trotz allem getragen werde. Diese Erfahrung ist mein Schlüsselerlebnis, das ich mit Gossau verbinde. Im Licht von Gott wird die eigene Schwachheit zu einer Quelle der Kraft.
Ich bin froh, am Ende meiner Gossauer Zeit sagen zu können, dass sich mein Glaube verstärkt und vertieft hat. Und ich bin noch mehr davon überzeugt, dass in einer Kirchgemeinde ein grosses Potenzial liegt, um im eigenen Leben und Glauben weiterzukommen und einen positiven Beitrag im Dorf und darüber hinaus zu leisten. Auch alle unsere Schwächen hindern Gott nicht daran, sein Reich zu bauen. Darum gehe ich nicht frustriert weiter, sondern im Bewusstsein, dass ich sehr viel Gutes zurücklasse.
Danken möchte ich allen Menschen, die mir ihr Vertrauen geschenkt haben, ihr Herz öffneten und mir Anteil gaben an ihrem Leben. Viele gute Begegnungen, viele Beziehungen, die gewachsen sind – auch das lasse ich nur schwer zurück. Ich habe mich hier sehr wohl gefühlt. Ein Teil meines Herzens bleibt in Gossau.
Nun gilt es loszulassen und das Feld anderen zu überlassen. Wir freuen uns sehr auf die neue Herausforderung, die in der Kartause Ittingen auf uns wartet. Es wäre schön, vielen von Ihnen am Abschieds-Gottesdienst vom 11. Juli noch persönlich «adieu» sagen zu können. Von allen anderen Gemeindegliedern verabschiede ich mich auf diesem Weg mit den besten Segenswünschen.
Thomas Bachofner
Quelle: Ragenda
erschienen am 23. 6. 2010
Autor: Thomas Bachofner, Pfarrer
Bild-Quelle: Thomas Bachofner, Pfarrer
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