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Bibelwort der Woche vom 29. Juni - 5. Juli 2020 Aktualisiert am: 29.06.2020

Die Gedanken dazu sollen trösten, stärken, inspirieren und ermutigen in den Herausforderungen der aktuellen Zeit.

Diese Woche:

Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun. (Joh 15,5).

«Bleibt bei mir!» Dazu ruft Jesus seine Jünger explizit auf. Bei Jesus bleiben, ist weniger ein «Halten», sondern ein «Sich-halten-lassen.» Jesus verbildlicht dies mit dem Weinstock, der Frucht bringt. Die Wurzeln des Weinstocks werden von der Erde gehalten. Diese Erde ist ein Sinnbild für das Bleiben in Jesus Christus.

Jesus bleibt nach seinem Weggang so in seiner Gemeinde, dass seine Worte bei ihr lebendig bleiben; und sie bleibt ihrerseits so bei ihm, dass sie sich an seine Worte erinnert, sie wiederholt und sie lebt.

Das Wort Gottes, die Bibel, ist der Nährboten. Unsere Glaubenswurzeln nehmen dort ihre Nahrung auf. Entscheidend ist, in welcher Erde unser Lebensbaum steckt. Wir können es uns nicht mehr leisten, dies zu vernachlässigen. Jede und jeder von uns ist dazu gerufen. Das persönliche Lesen des Wort Gottes zu vernachlässigen, trocknet das Glaubensleben aus. Kein Worshipsong, kein christliches Buch, keine Biographie von einem Glaubenshelden kann ersetzen, was wir im Lesen und Studieren des Wortes Gottes erleben können, nämlich tiefe und persönliche Veränderung, so dass wir Jesus nahe sein können. Das Hören auf die Schrift kann nicht delegiert werden. Die Kirche ist hörende Gemeinde und nicht bloss zuhörende Gemeinde.

Diese «Nähe» zu Christus durch sein Wort, das in uns lebt, wird nicht zerbrechen. Nicht zu bleiben, muss als eine unmögliche Möglichkeit angesehen werden. Um Frucht zu bringen, muss sich die Jüngerschaft von Jesus Christus nicht speziell qualifizieren. Sie müssen nicht von sich aus Frucht bringen. Frucht wird nicht gemacht. Frucht wächst. Frucht wächst, wenn die Voraussetzungen gegeben sind. Durch das Wort, das Jesus Christus zu ihnen gesprochen hat und durch ihre Bereitschaft dieses Wort aufzunehmen, ist die Voraussetzung geschaffen. Darum ist dieses «In ihm bleiben» so zentral.
Pfr. Christian Meier



Bibelwort der Woche vom 15.-21.06.2020

Wenn der Herr will, werden wir leben und dies oder das tun. (Jakobus 4,13-16)

So Gott will und wir leben - oder: So Corona will und wir dürfen?

„So Gott will und wir leben“ stammt aus dem Jakobusbrief. Dort heißt es: „Wohlan nun, die ihr sagt: Heute oder morgen wollen wir in die oder die Stadt gehen und wollen ein Jahr dort zubringen und Handel treiben und Gewinn machen –, und wisst nicht, was morgen sein wird. Was ist euer Leben? Dampf seid ihr, der eine kleine Zeit bleibt und dann verschwindet. Dagegen solltet ihr sagen: Wenn der Herr will, werden wir leben und dies oder das tun. (Jakobus 4,13-16)

Dieser Vorbehalt verunsichert: Ich habe die Sache nicht im Griff. Das ärgert mich: Es ist ja meine Aufgabe zu planen. Erst eine zuverlässige Welt ermöglicht, dass ich verantwortlich und frei handeln kann. „Erstens kommt es anders und zweitens als man will“ – dann ist es aus mit mündiger Freiheit.
Dann lieber gar nichts mehr planen, als dass mir dauernd etwas dazwischenkommt. Lieber nur reagieren. Abwarten. Enttäuschungen vermeiden: „Lasst uns essen und trinken, denn wir sterben doch morgen“ heißt es bei Jesaja (22,13).

Und doch höre ich noch ein anderes Wort: „Wenn Gott sogar die Feldblumen so ausstattet, die heute blühen und morgen verbrannt werden, wird er sich dann nicht erst recht um euch kümmern? (Mt 6, 29-30). Dann klingt dieser Vorbehalt ganz anders: Auch das, was zerbrechlich ist, was eingeht und anders kommt als geplant: Gott sieht es, es kümmert ihn und er gibt ihm einen Ewigkeitswert – trotz aller Vergänglichkeit.

So Gott will, werden wir leben und dies oder das tun.

Mit dieser Haltung müssen wir uns nicht fatalistisch dem Schicksal ergeben. Nein, wir bleiben demütig offen für die Führungen des Heiligen Geistes und geben ihm Raum, uns gut und nach seinem Willen zu führen. Das ist für mich «geplante Spontanität», die meinen Kompass und meine Agenda auf die göttliche Weisheit ausrichtet.

Gott ist weiter, als alles, was dir zu weit geht. Und er kommt dir durch den auferstandenen Jesus Christus näher, als alles, was dir zu nahekommt. Er sei mit dir!
Johannes Huber, Pfarrer

 

Bibelwort der Woche vom 15.-21.06.2020

Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. (Matthäus 11,28)

Der Ruf von Jesus ist eindringlich. Kommt! Kommt mit all dem, was euch belastet, auch dem, was euch in dieser Corona-Zeit belastet, ich will euch Ruhe verschaffen. «Ruhe, Halt machen, zur Ruhe kommen». Dies liegt vom Urtext her in diesem Begriff, den Luther mit erquicken übersetzt. Wo ich Halt mache bei Jesus, da kann Ruhe einkehren, auch in äusserlich turbulenten Umständen des Lebens.

Spannend ist, dass Jesus diesen «Imperativ», diesen Ruf zu IHM zu kommen, mit einem Bild aus der Landwirtschaft verknüpft: «Dem Doppeljoch». «Nehmt mein Joch auf euch… - und eure Seele wird bei mir zur Ruhe kommen (Mt. 11,29).» Unter das Doppeljoch spannt ein Bauer zwei gleiche Tiere. Eines von ihnen ist das Leittier. Dieses gibt die Zielrichtung vor. Dieses justiert und spornt an. Das Bild beinhaltet eine Fülle von Bedeutungen, aber diese eine Bedeutung alleine ist schon sehr tröstlich: Jesus lädt mich zu sich unter sein «Doppeljoch» ein und bietet mir an, als «Leittier» mit mir unterwegs zu sein, ziehen zu helfen, zu ermutigen und mir seinen Blick auf das grössere Ziel zu vermitteln. Unter dem Doppeljoch mit Jesus unterwegs zu sein kann bedeuten, IHM meine Last hinzuhalten. IHN um seinen Heiligen Geist zu bitten, der mir das «sanfte Joch» von Jesus (vgl. Mt. 11,30) erfahrbar macht. IHN zu bitten, mir zu helfen, seine Versprechen über meinem Leben und meiner Situation neu zu hören und so Kraft zu erhalten, weiterzugehen. Jesus lädt uns ein, zu IHM unter sein «sanftes Joch» zu kommen, damit ER uns Ruhe schenken kann, Frieden statt Angst, Zuversicht statt Verzweiflung und Geborgenheit statt Überforderung. An uns ist es, dem Ruf zu folgen.
Markus Hardmeier, Sozialdiakon



Bibelwort der Woche vom 8.-14. Juni 2020

Denn so spricht Gott der HERR, der Heilige Israels: Durch Umkehr und Ruhe werdet ihr gerettet, im Stillsein und im Vertrauen liegt eure Stärke. Aber ihr habt nicht gewollt. (Jesaja 30,15)

Die Bedrohung ist gross. Israel hat Angst vor der Grossmacht der Assyrer, die es zu verschlingen droht. Was tun? Ganz einfach: man sucht sich einen starken Verbündeten und sucht den Schutz Ägyptens. Ein starker Partner, eine ernstzunehmende Streitmacht, die mit ihrem Säbelrasseln Assur in seine Schranken weisen kann. Gar nicht so dumm, oder!?

Das Problem ist nur, dass Gottes Volk in dieser Situation nicht Gott als Verbündeten sucht, nicht nach seinem Willen fragt. Sie könnten sich auf Gottes Schutz verlassen, wenn sie ihn suchen würden. Das Heil liegt nicht in einem letztlich unzuverlässigen menschlichen Verbündeten, sondern darin, Gott zu vertrauen. Aber – so heisst es deutlich: „Ihr habt nicht gewollt!“

Bleiben, still sein und vertrauen – das ist eben oft nicht unsere Stärke. Vielmehr suchen wir bei Bedrohungen jeder Art sofort nach „guten“ Lösungen und werden aktiv, verfallen vielleicht sogar in Hektik, vertrauen den vermeintlich starken Partnern und Expertokraten dieser Welt.

Dieser Vers aus Jesaja 30 will nicht, dass wir angesichts von Situationen, die uns schwer und bedrohlich erscheinen, den Kopf in den Sand stecken und uns der Wirklichkeit verschliessen. Er lädt vielmehr dazu ein, immer wieder neu umzukehren und Gott zu suchen, ihm zu vertrauen. Die Ruhe, von der hier die Rede ist, meint eine Gelassenheit und kommt vom Verb „sich niederlassen“. Und Stillsein meint, sich zu beruhigen und keinen Streit zu suchen. Mit dem richtigen Partner an unserer Seite, mit Gott selbst, können wir gelassen und mutig weitergehen. Darin liegt unsere Stärke.
Adelheid Huber, Pfarrerin



Bibelwort der Woche vom 1.-7. Juni 2020

Und ich will den Vater bitten und er wird euch einen andern Tröster geben, dass er bei euch sei in Ewigkeit: den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, denn sie sieht ihn nicht und kennt ihn nicht. Ihr kennt ihn, denn er bleibt bei euch und wird in euch sein. (Johannes 14, 16-17)

Das christliche Leben ist ein Leben im Heiligen Geist. Allen von der Gemeinde wurde dieser Geist gegeben. Man könnte deshalb sagen, dass der Heilige Geist eine demokratische Gabe an die Gemeinde ist, denn es gab in der Gemeinde keine Hierarchie von besonders «Geistlichen.» Jeder von uns, der mit Christus verbunden ist, darf und soll sich nach ihm ausstrecken.

Der Heilige Geist führt in die Wahrheit hinein und gibt Zeugnis von Jesus Christus. Der Heilige Geist macht die Gnade Gottes erfahrbar. Der Dienst des Heiligen Geistes liegt darin, dass er uns Wahrheiten über Jesus und sein Wirken aufschliesst und ins Herz schreibt, so dass wir getröstet sind. In der Gnade kommen das Werk Christi und das Wirken des Heiligen Geistes zusammen. Jesus Christus ist Urheber der Gnade und der Heilige Geist der Inhalt der Gnade. In der paulinischen Briefliteratur (vgl. dazu 2. Kor 13, 13; Gal 5, 4-5; Röm 5, 2-5; Titus 3, 5-7) und auch in anderen Briefen des Neuen Testaments, finden wir diese Nähe zwischen Gnade und Heiligen Geist immer wieder. Im Hebräerbrief und auch im Buch Sacharja wird er sogar der Geist der Gnade genannt (Sach 12, 10 und Heb 10, 29). Durch den Heiligen Geist wird die Gnade nicht nur als eine wohlwollende Grundeinstellung oder als guter Wille Gottes verstanden, sondern als etwas Reales. Durch den Heiligen Geist ereignet sich Gnade. Wenn Paulus schreibt: Die «Liebe Gottes ist ausgegossen in unsre Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist» (Röm 5,5), oder wenn er vom Geist Gottes spricht: «Der Geist selbst gibt Zeugnis unserm Geist, dass wir Gottes Kinder sind» (Röm 8, 16), dann geht es nicht um abstrakte Wahrheiten, sondern um pures Leben. Der Heilige Geist macht die Gnade erfahrbar, er macht sie in unseren Herzen lebendig, so dass wir eine innere Gewissheit, einen inneren Frieden verspüren können. Ohne den Heiligen Geist bleibt der Glaube abstrakt – eine leblose Lehre. Der Heilige Geist ermöglicht es uns, Grösseres zu sehen, nämlich dass wir Kinder Gottes sind.

Der Ausgiessung des Heiligen Geistes ging das Warten der Jünger voraus. Jesus selbst hat ihnen den Auftrag gegeben zu warten. Die Jünger wussten nicht, was geschehen wird. Sie waren offen für jegliches Handeln von Gott. Warten zementiert nicht die eigenen Vorstellungen, sondern ist aufmerksam auf das, was Gott wirken möchte. Wer sich selber sieht, wer auf seine Pläne und seine eigene Kraft schaut, wer in sich verharrt, öffnet sich nicht. Diese Offenheit des Wartens zeigt sich in der inneren Verfügbarkeit. Wenn wir das Leben Jesu studieren, wird uns zuerst seine uneingeschränkte Verfügbarkeit für Gott auffallen (vgl. Joh 5,19). Jesus hat nicht Zeit für seinen himmlischen Vater, sondern seine Zeit gehört seinem himmlischen Vater. Jeder Tag meines Lebens ist Gottes Zeit. Es gibt keine Unzeit in Gottes Gegenwart.
Strecken Sie sich aus nach dem lebendig machenden Geist Gottes!
Christian Meier, Pfarrer



Bibelwort der Woche vom 25.-31. Mai 2020

Die Menschen werden sich vor dem verantworten müssen, der schon bereitsteht, um über die Lebenden und die Toten das Urteil zu sprechen. Dazu wurde sogar den schon Verstorbenen das Evangelium verkündet, damit sie wie alle Menschen für ihre Taten zur Rechenschaft gezogen werden können, aber auch die Möglichkeit erhalten, zum Leben bei Gott zu gelangen. (1 Petrus 4,5-6)

Eine Frage, die mir als Pfarrer immer wieder einmal gestellt wird, erhielt ich vorletzte Woche per Post – vielen Dank dafür: Was geschieht einmal in der Ewigkeit mit den Milliarden von Anders- und Nichtgläubigen? Haben diese ohne den Glauben an Christus keine Chance, sind sie schon gerichtet (vgl. Joh 3,18)?

Ich versuche darauf, folgende – nicht abschliessende – Antwort zu geben: «Gott will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen» (vgl. 1Tim 2,3-7). Deshalb schickte Jesus vor seiner Himmelfahrt seine Jünger und Nachfolgerinnen in die ganze Welt aus, damit möglichst viele Menschen die befreiende Botschaft hören und annehmen. Doch was ist mit den Menschen, die vor der Zeitenwende lebten oder die auch heute nie das Evangelium zu Ohren bekommen? Die Bibel gibt dazu folgende Hinweise:

a) Der auferstandene Christus hat die Schlüssel des Todes und des Totenreiches , d.h. er ist nicht an Raum und Zeit gebunden und hat den Zugang zum Totenreich und zur Hölle (Offb 1,18).

b) Im Zusammenhang mit Tod und Auferweckung ging Jesus zu den Geistern, die in der Totenwelt gefangen gehalten werden, um ihnen (seinen Sieg über den Tod) zu verkündigen (1Petr 3,19), damit diese die Möglichkeit erhalten, zum Leben bei Gott zu gelangen (1Petr 4,6).

c) Jedes Knie im ganzen Kosmos wird sich einmal beugen und jede Zunge wird bekennen, dass Jesus Christus der Herr ist (Phil 2,10). D.h. heisst natürlich nicht, dass alle, alle in den Himmel kommen. Doch, dass alle erkennen, wer der Mr. Universe und der lebendige Gott ist.

Die Möglichkeit besteht also durchaus, dass auch im Totenreich Menschen noch zum Glauben an Christus gelangen. Doch ohne Christus bleiben sie getrennt von Gott. Das «Schon-Gerichtetsein» wird in Joh 3,19 so aufgenommen, dass trotz des hellscheinenden Lichtes Jesu die Menschen lieber in der Finsternis bleiben. Gott zwingt niemandem den Glauben auf.

«Gott will, dass alle Menschen gerettet werden.» Damit glaube ich nicht an die Allversöhnung, doch daran, dass Gott mehr Möglichkeiten hat, seinen universalen Heilswillen zu verfolgen, als ich mir dies mit meinem Verstand vorstellen kann. Trotzdem oder gerade deshalb will ich nicht weiter spekulieren, sondern beherzt mit Wort und Tat den Namen Jesu Christi bezeugen, denn in ihm ist Wahrheit und ein Leben in Fülle und Frieden.

Gott ist weiter, als alles, was dir zu weit geht. Und er kommt dir durch den auferstandenen Jesus Christus näher, als alles, was dir zu nahe kommt. Er sei mit dir!
Johannes Huber, Pfarrer

 

Bibelwort der Woche vom 18.-24.05.2020

Wenn dann dieses Volk, über dem mein Name ausgerufen ist, sich besinnt, wenn es zu mir betet und von seinen falschen Wegen wieder zu mir umkehrt, dann werde ich im Himmel sein Gebet hören. Ich will ihm alle Schuld vergeben und auch die Schäden des Landes wieder heilen.

Ein herausforderndes Wort. Was klingt bei mir an? Fühle ich mich angeklagt? Aufgerüttelt? Oder bin ich gar wütend darüber? Vielleicht leuchtet mir aber auch Gottes Versprechen zur Vergebung und Heilung heller entgegen, als der kritische Ton in diesem Bibelwort?

Seit Beginn der Corona-Pandemie beschäftigt mich dieser Vers. Möchte mir Gott dadurch etwas sagen? Wo ruft Gott mich – wie im Alten Testament sein Volk Israel – dazu auf, sich zu ihm umzuwenden (umzukehren) und mich IHM ganz neu zuzuwenden und mit seiner Hilfe zu rechnen?

Die Corona-Krise trifft drei Bereiche des privilegierten Lebens in Europa hart: Den Reichtum, die Gesundheit sowie die Macht (Einfluss). Alles Bereiche, die wir so scheinbar fest im Griff zu haben schienen. Wo wurden mir diese Bereiche in der Vergangenheit zu einem Ersatz-Gott? Wo habe ich mein Herz an die materielle oder medizinische Sicherheit gehängt statt an Gottes Versprechen und seine Versorgung? Wo lebte ich im Glauben, alles sei mach(t)bar und beeinflussbar? Wo erlebe ich jetzt Ohnmacht statt Macht? «Vom kleineren zum Grösseren» ist ein oft verwendetes biblisches Prinzip in der Bibel. Wo soll ich selber zuerst Busse tun dafür, Gott nicht den ersten Platz eingeräumt zu haben? Und wo gilt dies für unsere Gesellschaft und für unser Land? Ich habe keine fertigen Antworten, aber die feste Hoffnung, dass Gott sich nichts mehr wünscht, als sein Versprechen wahr machen zu können: «Ich will ihm alle Schuld vergeben und auch die Schäden des Landes wieder heilen.» Der erste Schritt dazu ist die Hinwendung zu IHM.
Markus Hardmeier, Sozialdiakon

 

Bibelwort der Woche vom 11.-17.05.2020

Freut euch allezeit, betet ohne Unterlass, in allem sagt Dank, das ist der Wille Gottes, in Christus Jesus für euch.

Wenn ich in diesen Tagen mit Menschen im Gespräch bin, dann kommt öfters zum Ausdruck, dass nach anfänglicher Gelassenheit angesichts von Corona langsam die Kraft nachlässt, dass die Sehnsucht nach Normalität zunimmt und dass der Blick für das, was einem trotz allem und in allem geschenkt ist, mehr und mehr abhanden kommt. Während Massnahmen gelockert werden, wächst nicht etwa die Hoffnung, sondern das Gefühl „Ich mag nicht mehr!“.

In der Welt der Unternehmen redet man gerne von einer VUCA-Welt, einer Welt, die volatil (unbeständig), unsicher und komplex ist und ambigue (mehrdeutig). Dieser herausfordernden Welt begegnet man, indem man ebenfalls ein VUCA-Prinzip anwendet: Vorwärtsgehen mit Vision, Understanding (Verstehen), Klarheit und Agilität (Fähigkeit, auf sich verändernde äussere Bedingungen flexibel und vorausschauend zu reagieren). Mit den richtigen Methoden bekommt man alles wieder in den Griff. Doch ist das wirklich so? Hat diese Krise nicht gerade gezeigt, dass man eben nicht alles im Griff haben kann?

Mir leuchtet in der Bibel, im Brief, den Paulus an die Gemeinde in Thessaloniki schreibt, ein ganz anderes, entlastendes FUCA entgegen, eines, das nicht nach Methode funktioniert, sondern eines, das uns Jesus in die Arme treibt – an den Ort, wo wir immer wieder neu Kraft schöpfen und aufgefüllt werden dürfen.

Freut euch – betet ohne Unterlass (das heisst auch, in jeder Lebenslage) – ihr gehört Jesus Christus – sagt danke in allem.

In Schwierigkeiten ist Gott unsere Stütze und unsere Hoffnung. Im Gebet verändert Christus meinen Blick, so dass ich mit seinen Augen und an seinem Herzen neu das sehen darf, worüber ich mich freuen kann oder was mich dankbar macht. Ich möchte Sie diese Woche ermutigen, gerade dann, wenn Sie mutlos sind, im Gebet Gott zu suchen und mit ihm zusammen das zu entdecken, wofür Sie danken können.
Adelheid Huber, Pfarrerin

 


Bibelwort der Woche vom 04.-10.05.2020

Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht dessen, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht. Durch den Glauben erkennen wir, dass die Welt durch Gottes Wort geschaffen ist, dass alles, was man sieht, aus nichts geworden ist. (Heb 11,1.3)

Gegenwärtig werden die Massnahmen langsam gelockert. Wir spüren neues Leben wird entfacht und trotzdem ist nicht mehr alles wie vorher. Es fühlt sich an, als wären wir in einem Zwischenland. Ein Leben in diesem Zwischenland, beinhaltet ein Leben mit der Spannung zwischen Realität und Hoffnung. Genau in diesem Spannungsfeld öffnet sich das Glaubensleben. Im Hebräerbrief lesen wir: «Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht dessen, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht. Durch den Glauben erkennen wir, dass die Welt durch Gottes Wort geschaffen ist, dass alles, was man sieht, aus nichts geworden ist» (Heb 11,1.3). Glaube öffnet die Augen für die Zukunft. Glaube proklamiert, dass diese Welt und unsere Zerbrechlichkeit nicht die letzte Wirklichkeit sind. Das ist keine einfache Aufgabe. Doch gerade in diesen Tagen scheint sie umso wichtiger zu sein. Gott stärkt unsere Spannkraft durch sein lebendiges Wort und durch den Heiligen Geist. Darin finden wir Trost und Kraft, geduldig zu sein.

Die nächsten Verse nach dem oben zitierten Bibeltext erzählen von den vielen Glaubenszeugen. Die Väter und Mütter des Glaubens im alten Isra­el haben davon erzählt, wie sie Gott erfahren haben. Solche Geschichten wurden überliefert, um daran zu erinnern und sich zu vergewissern, dass Gott sich in der Geschichte der Menschen kundgetan hat. Wir alle sind die lebendigen Zeugen, weil Gott in uns den Glauben weckt und wir einander darin ermutigen.
Christian Meier, Pfarrer

 

Bibelwort der Woche vom 27.04.-03.05.2020

Gott hat Jesus von Nazareth auferweckt, nachdem er die Wehen des Todes aufgelöst hatte, denn es war unmöglich, dass er vom Tod festgehalten wurde. (Apg 2,24)

Corona legt uns Fesseln an. Die gesundheitspolitischen Entscheidungen schränken ein, belasten teils existentiell und öffnen tragische Situationen und Gräber. Auf liebevolle Art und Weise besingt Manni Matter viele Gräber in unserer Gesellschaft. In fast jedem Lied beschreibt er tragische Situationen so, dass wir darüber lachen können: Die eigene Uhr bleibt immer nach zwei Stunden stehen, die Kuh läuft dem Künstler aus dem Bild oder beim Heidi, das «beidi wei», zieht er als Poet gegenüber dem populäreren Tschütteler enttäuscht den Kürzeren. Es ist eine grosse Trauer über das vergängliche, verletzliche Leben, in dem es den einen nur gut geht, weil es den anderen eben weniger gut geht. Es ist eine Macht- und Hilflosigkeit gegenüber der Grenzen, die unserem Leben gesetzt sind. In der Welt selber scheint es keinen Ausweg zu geben und wir stehen immer wieder an offenen Gräbern – eigenen wie fremden. Mitten in all unseren vollen Gräbern gibt es ein Grab, das leer ist. Eine Tragödie nahm an Ostern eine unerwartete Wende: Jesus Christus hat die Fesseln des Todes gesprengt, sein Grab verlassen und will auch unsere Gräber leeren und unsere Corona-Wehen auflösen. Er will auch deinem Schicksal eine gute Wende geben. Denn du darfst wissen, dass das, was Gott in die Finger kommt, wieder ganz und heil gemacht wird.
Gott ist weiter, als alles, was dir zu weit geht. Und er kommt dir durch den auferstandenen Jesus Christus näher, als alles, was dir zu nahe kommt. Er sei mit dir!
Johannes Huber, Pfarrer



Bibelwort der Woche vom 20.-26.04.2020

Ich will dich nicht verlassen und nicht von dir weichen. (Heb 13,5b)

Diese starke Zusage Gottes hat einen spannenden «Sitz im Leben», einen spannenden Ursprung. In Josua 1,5 verspricht Gott Josua, mit ihm zu sein beim Einzug ins verheissene Land. Josua steht mit dem Millionen-Volk Israel am Jordan. Ausser Gottes Versprechen hat er noch gar nichts. Wie soll dies gehen mit dieser Landnahme, wie soll dieses Versprechen vom eigenen Land, der eigenen Existenz Realität werden? Da hinein sagt Gott dieses Wort: «Ich werde dich nie vergessen und dich niemals im Stich lassen.» (NGÜ).

Der Verfasser des Hebräerbriefs greift nun diese Zusage in einem neuen Zusammenhang auf und bezieht sie auf unseren Umgang mit Geld und auf unser Bedürfnis nach materieller Sicherheit. So schreibt er unmittelbar vorher: «Lasst nicht die Geldgier euer Leben bestimmen. Gebt euch zufrieden mit dem, was ihr habt.» Und dann folgt dieses Zitat aus Josua 1,5.

Unsicherheit. Nicht zu wissen, wie es weitergehen wird. Weder materiell noch emotional. Kennen wir nicht genau dieses Gefühl auch in dieser Corona-Krise? Ist dies nicht auch unsere Erfahrung jetzt?

Auch uns gilt diese Zusage Gottes, wie damals Josua: «Ich verlasse dich nicht. Ich sorge für dich, innerlich, emotionell, wie auch äusserlich, materiell. Ergreife meine starke Hand.» Diese Hand dürfen Sie trotz Coronavirus bedenkenlos ergreifen. Sie ist stark und ohne gefährdende Viren.
Markus Hardmeier, Sozialdiakon


Bibelwort der Woche vom 13.-19.04.2020

Friede sei mit euch (Joh 20,21)

Mit diesen Worten schreitet Jesus durch die verschlossene Tür, hinter der sich die Jünger von Jesus nach Karfreitag zurückgezogen haben. Sie haben Angst und wissen nicht wie es weitergeht. Gefangen in ihren eigenen Gedanken, finden sie keinen Ausweg. Da kommt Jesus und tritt mitten unter sie. Ungebeten und unvermittelt und bricht damit die verschlossene Welt der Jünger auf. Jesus spricht ihnen einen Frieden zu, der nicht von dieser Welt ist (Joh 14,27).

Jesus muss in die Mitte der Jünger treten, damit sie ihn als Auferstandenen wahrnehmen. Ist diese verschlossene Tür nicht auch ein Bild für unser Leben? Jesus durchschritt die verschlossene Tür nicht, um bloss zu stellen. Wenn der Mensch und Gott zusammenkommen sollen, dann gibt es nur einen Weg: Den Weg Gottes zum Menschen. Gott tritt zum Menschen so in Beziehung, dass er ihn erkennen soll.

Gott offenbart sich als derjenige, der neues Leben schafft. Er ist es, der aus der Krise führt. Er schafft aus dem Tod neues Leben. Dafür macht sich Gott zu uns Menschen auf den Weg – auch durch verschlossene Herzenstüren. Diese Osterbotschaft soll in unseren Herzen nachhallen.
Christian Meier, Pfarrer


Bibelwort der Woche vom 06.-12.04.2020

Jesus Christus spricht: «Ich bin die Tür. Wenn jemand durch mich hineingeht, so wird er gerettet werden und wird ein- und ausgehen und Weide finden.» (Joh 10,9)

Viele Türen sind zu: Schulhaustüren, Restauranttüren, Einkaufstore, Flughafen-Gates… Das öffentliche Leben steht fast still. Wir können nicht mehr frei ein- und ausgehen, Verwandte und Freunde besuchen. Jesus, der zu Beginn der Karwoche durch die Tore Jerusalems auf einem Esel einzog, lädt mich ein, durch seine schützende und raumöffnende Türe zu schreiten, um bei ihm Weide (Nahrung) und Weite (Zukunftshoffnung) zu finden. Er lädt mich ein, den Schritt zum Frieden zu wagen und ihm meine Herzenstüre und verschlossenen inneren Zimmertüren zu öffnen. Er schenkt mir Weite und das Leben in Fülle.

Gott ist weiter, als alles, was dir zu weit geht. Und er kommt dir durch – die Türe – Jesus Christus näher, als alles, was dir zu nahe kommt. Er sei mit dir!
Johannes Huber, Pfarrer


Bibelwort der Woche vom 30.03.-05.04.2020

Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe? Meine Hilfe kommt vom HERRN, der Himmel und Erde gemacht hat. (Psalm 121,1-2)

Ich blicke gerne auf unsere wunderschönen Alpengipfel, wenn ich bete. Mit den Bergen in Psalm 121 sind jedoch nicht unsere Schweizer Berge gemeint. Es handelt sich um einen Wallfahrtspsalm, den die Menschen gesungen haben, wenn sie hinauf nach Jerusalem gezogen sind, um dort die Gegenwart Gottes im Tempel zu suchen. Die Wallfahrtspsalmen sind nicht einfach Festlieder, nein, sie sind in einer Zeit entstanden, in der Enttäuschung, Anfechtung und politische Unterdrückung zum Alltag gehörten. Sie sind ein Lied der Hoffnung mitten in solche Situationen hinein. In der Nacht, die die Menschen durchlebten, waren diese Lieder Lobpreis und Bitte zugleich. Der Psalm ist bis heute ein Zuspruch für unser Unterwegssein auf unseren Lebenswegen: Ja, Gott ist unsere Hilfe!
Adelheid Huber, Pfarrerin


Bibelwort der Woche vom 23.-29.03.2020

In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden. (Joh. 16,33)

Angst. Dieses Gefühl kennen viele in diesen Tagen. Die Corona-Krise macht Angst. Auch diese Angst ist mit-gemeint, wenn Jesus sagt: „In der Welt habt ihr Angst.“ Jesus spricht es offen an: „Ihr habt Angst.“ Kein Verleugnen oder Verdrängen, sondern ein Bejahen der Angst. Dazu lädt Jesus mich ein. Ist es nicht tröstlich, zu wissen: Jesus sieht diese, meine Angst. Er kennt Angst aus eigenem Erleben. Und er lädt mich ein: „Komme mit dieser Angst zu mir. Mit meinem Tod und meiner Auferstehung habe ich dem Dunkel, auch der Angst, die Macht genommen. Ich habe überwunden und will dir helfen, die lähmende Macht der Angst im Vertrauen zu mir zu überwinden.“
Markus Hardmeier, Sozialdiakon